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Text aus dem Buch von Gerhard Roth, 1942 - 2023, Philosoph, Biologe und Hirnforscher: Wie das Gehirn die Seele macht (2016).

Als Wissenschaftler hat er den Mut, sich mit Geist und Seele zu beschäftigen, dafür hat er auch Kritiker.

 

Geist und Bewusstsein sind emergente physikalische Eigenschaften. Ein Bewusstseinszustand ist mehr als die Summe der aktiven Gehirnfunktionen und -anlagen ergeben.

 

Es besteht eine Erklärungslücke von Aktivitätsmustern (Gehirnströme und Wellen) auf Zustände des subjektiven Erlebens. Es ist ein Gebiet für Neurophylosophen.

 

Starke emergente (Resultat ist grösser als alle Einzelsummen) Systemeigenschaften lassen sich auch bei höchster Kenntnis nicht voraussagen. In biologischen Systemen entsteht eine Lebenskraft über die Ontogenese (Entwicklung eines Lebewesens oder Organismus), die naturwissenschaftlich nicht erklärbar ist.

 

Es bleibt ein Rätsel, wie ein immaterieller (unstofflich) Geist aus dem materiellen Gehirn entsteht.

 

Die Wissenschaft kann sich betreffend der Materie nur auf das beschränken, das eine Masse (Form, Gewicht, messbar) hat. Bewusstsein lässt sich demnach auch als masselos bewerten, aber es ist in Wechselwirkung mit physikalischen Zuständen im Gehirn.

 

Was man als geistig, psychisch, seelisch empfindet, lässt sich nicht mit der realen (messbaren) Natur des Geistes verwechseln und bleibt für die Forschung verschlossen. Gedanken, Vorstellungen und Erinnerungen wirken immateriell, da sie weder zur Umwelt noch zum Körper gehören. Dies sind Zustände im Gehirn, die unzugänglich bleiben.

 

Geist und Bewusstsein entsprechen einem System ohne Ruhemasse, aus mentalen Feldern aufgebaut, die sich raumzeitlich organisieren und virtuelle Gesamtwelt erschaffen.

 

Es bestehen Spekulationen, dass über den «Panpsychismus» (alles hat Bewusstsein und Geist) geistige wie protopsychische Eigenschaften (nicht mentale Materie wie Elementarteilchen bereits Vorstufen von Bewusstsein oder geistige Eigenschaften) von Atomen und Molekülen wirken können.

 

F.S. Mit der Meditation kann die Wissenschaft die elektrischen Impulse (Gehirnwellen) messen und aktive Gehirnregionen aufweisen, ein tiefes Verständnis und eine tiefe Erfahrung bleibt jedoch unbekannt und eröffnet zugleich neue Räume in uns, die eine positive Wirkung zeigen.

 

Vielleicht können wir in der Stille mit Immaterialität in Einklang kommen und finden wir es heraus.

 
 
  • Fredi Steiner

Sich selbst immer wieder neu zu erforschen ist eine Lebensaufgabe, die uns stets persönlich weiterbringt. Daran lässt sich ein Potential oder eine höhere Präsenz aufbauen, die bis auf den eigenen Grund führt.

 

Unser eigener Grund ist unverwundbar und nicht durch uns erschaffen. Er reicht bis in den nicht-lokalen Bereich und ist bei allen Menschen da. Wir müssen ein solides Vertrauen dafür erstellen.

 

Spirituelle Momente sind ein heilsames Gegengewicht zur heutigen, medial überfluteten Welt. Diese stillen Momente, wo wir bei uns selbst verweilen, führen zu naturmystischen Empfindungen und zu Ehrfurcht vor dem eigenen Dasein, was sich nicht definieren lässt. Solche Momente der inneren Einheit gehen über den Verstand hinaus, sie sind raum- und zeitlos.

 

Transzendenzerfahrungen sind nicht willentlich herstellbar. Indem wir uns in eine Unbegrenztheit einlassen, geben wir der höheren

Natur Raum zur Heilung. Mystik ist grenzüberschreitend.

 

Nur die Unmittelbarkeit ist der existentielle Moment, wo das Leben rein bleibt. Um diesen Moment zu erfahren, müssen wir uns von allen weltlichen Bereichen lösen. Nur in der absoluten Stille finden wir die reine und unverletzbare Existenz, die uns eine göttliche Urkraft verleiht.

 
 

Um unser weltliches Leben zu vervollständigen mit mehr Selbstwert, Resilienz und Sinnhaftigkeit, haben wir die Möglichkeit, nebst einer latenten Aussenorientierung uns mit nach innen gerichteter Sicht zu entwickeln und aufzubauen, es ist nie zu spät.

 

Wir finden dabei zu unserer eigenen, innerer Natur, zu eigener tiefen Verbundenheit und einem Urvertrauen. Wir erfahren dabei ein erfüllteres, friedfertigeres und ruhigeres Leben. Schon kleine Ereignisse und Umstände erhalten durch gelernte Achtsamkeit und Wahrnehmung mehr Bedeutung. Wir können so besser mit Krisen, Bedrohungen und Unsicherheiten umgehen. Wir erfahren dabei einen inneren glücklicheren Zustand der uns Stabilität gibt für alle Lebenssituationen, wir erleben eine neue Erfahrung mit einem stilleren, stabileren und authentischeren Leben.

 

Die Neurowissenschaft kann heute nachweisen, dass Spiritualität in unserem Nervensystem verankert ist. Sind unsere Gehirnabläufe in einem festen, äusserlichen Umfeld festgefahren, funktionieren wir nur noch auf Zustände ohne innere und tiefere Resonanz? Unser Hirn ist aufgrund der Neuroplastizität aber anpassungsfähig, auch durch Meditation und der Erfahrung der Stille.

 

Stille gibt unserem Gehirn Gelegenheit, sich neu zu ordnen, was auch zu Demut, Dankbarkeit, Mitgefühl und Verbundenheit führt. Es entsteht eine positive Beeinflussung mit dem Umgang von Emotionen und der Selbstwahrnehmung. Meditation führt zu höherer Resonanz im Gehirn. Unser limbisches System wird aktiver.

 

Es geht nicht darum, sich vom normalen, weltlichen Leben abzuwenden, sonst müsste man als Einsiedler in einer Höhle oder auf einem hohen, abgelegenen Berg in einer Hütte abgeschottet leben.

 

Ist auch nicht so lustig, darum sitzen wir lieber hier und üben für uns und die Mitwelt.

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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