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  • Fredi Steiner

Unser Leben ist unbewusst eher aufgesetzt, künstlich und mit ständigen Gedanken durchströmt, die uns abwesend von uns machen. Wir verbringen unser Leben eher in Ruhelosigkeit, finden oder wollen keinen Moment der Ruhe, was so zur Gewohnheit wird. Wir sind somit «Gewohnheit», sich daraus zu lösen ist aufreibend.

Innerer Frieden ist kein passiver Zustand, wir leben dabei eben bewusster und können unser wahres Sein und den Moment erfahren und uns weiterentwickeln. Als Mensch empfinden wir Passivität als nutzlos und unproduktiv, weil unser Leben nur äusserlich stattfindet.

Innerer Frieden erfahren, können wir nur im Moment, im wahren Dasein, wo alles in voller Harmonie ist. Vergangenheit, Zukunft, Vorstellungen und Spekulationen sind im inneren Frieden abwesend, wir befinden uns in einem Gleichgewicht ohne Spannungen und Stress.

Mit innerem Frieden nehmen wir unser Leben tiefer wahr und fühlen uns frei. Negative Gedanken nehmen wir dabei so wahr, dass sie unsere Gefühle und Emotionen nicht tangieren, wir lassen solche Gedanken friedvoll los.

 

Indem wir unsere eigene Existenz und unser Sein, sowie die aktuelle Situation gelassen und im Einklang annehmen können, finden wir zu innerer Ruhe und tiefen Frieden.

Wir empfinden kein Defizit, kein Mangel und damit keine negativen Gefühle, wir erfahren Gelassenheit und Gleichmut, wir spüren in uns selbst hinein und fühlen uns in jedem Moment gut aufgehoben, wir sind mit uns selbst versöhnt.

 

 Wir empfinden dabei Liebe zu sich und für die anderen Lebewesen, wir erfahren Dankbarkeit, einfach für das Leben ohne Zutaten. Materielle Güter oder Reichtum und Macht hilft uns nicht dabei, dafür hilft uns die Natur, die Achtsamkeit und die Meditation.

 

Es ist paradox, dass wir uns zu Achtsamkeit und Meditation fast mit einem hohen Willen bewegen müssen, weil wir uns dabei mit uns selbst beschäftigen, was uns schon fast befremdet. Dabei stehen wir uns, gefühlsmässig und aus Gewohnheit selbst im Weg.

 

Es braucht heute sogar Mut, auf sich selbst zuzugehen, obwohl wir damit mit unserem Leben besser umgehen können. Finden wir zu innerer Ruhe und lassen uns einfach in jeden Moment unvoreingenommen ein und fühlen uns von einer natürlichen Kraft getragen, Frieden öffnet sich selbst ohne äussere Faktoren.

 
 
  • Fredi Steiner

Innere Stärke entsteht nicht durch Anstrengung, sondern im Raum hinter dem Denken, in der Stille. In der Stille entstehen tiefe Erkenntnisse jenseits unseres Verstandes. Stille ist ein Hintergrund, der bei allen Menschen existent ist.

 

Je mehr wir uns mit dieser Stille verbinden, verliert die Macht unserer täglichen Zerstreuung und Zwängen an Bedeutung. Im Alltag sind wir latent mit äusserem und innerem Lärm beschäftigt, in Erwartungen, Geschichten, Zweifeln und dem endlosen Werten von Zuständen.

 

Diese Beschäftigungen verbrauchen unsere Energie, wenn wir uns der Stille zuwenden, entsteht Resilienz, die nicht aus dem Tumult kommt, sondern aus dem stillen Sein. Stille müssen wir nicht erzeugen, sie ist stets im Hintergrund präsent.

 

Wir finden und erhalten innere Stärke auch in bewussten Zwischenzuständen im Alltag, wenn wir uns nicht von den stetigen Gedankenspielen verleiten lassen. Gedankenpausen werden so zu einem wertvollen Gut.

Je häufiger wir uns dieser Stille, diesem Raum zuwenden, je mehr trägt uns diese Stille im Alltag, sie macht uns nicht passiv, sie wirkt klärend.

 

Wir lassen uns nicht mehr von Emotionen und Stress leiten, wir können mit einer inneren Ruhe handeln, die wir vorher nicht kannten. Wir finden dabei einen Ort, der unerschütterlich bleibt. Wenn wir die Stille in unser Leben integrieren, verändert sich unsere Welt, nicht spektakulär, aber reiner.

 

Unsere Weisheit entsteht nur aus dem räumlichen und stillen Bewusstsein. Stille formt unsere Achtsamkeit und Präsenz. Wir erkennen, was wir sind, jenseits der kurzlebigen und vergänglichen Persönlichkeit und unserem kurzen Dasein.

 

Man kann Stille nicht tun oder machen, wir können uns nur von unserer Person und unserem Individuum zurücknehmen und sie in uns wirken lassen.

 

In der Natur hat alles seinen eigenen Klang, so hat auch die Stille seinen eigenen Klang, seine eigene Schwingung. Sie hilft, uns von Verstrickungen zu lösen, wir gelangen von einer Zwanghaftigkeit zum Bewusstsein und zur eigenen Seele.

 

Wir müssen aktiv sein, um zu leben und überleben, aber wir leben eher ungesund, weil wir die Stille nicht kennen.

 
 

Beim Zazen sind Denken und Tun eins, als natürlicher Zustand von Körper und Geist und dabei die reinste Form jenseits des Ich-bezogenen Denken und Fühlen.

Denken und Tun zugleich ist nur in höchster Präsenz und unmittelbar möglich, als ganz sein im Moment. Die Praxis des Zazen ist eine Form der Erkenntnis, die mit gewöhnlichen Denken und Verstand nicht erfasst werden kann.

 

Das vegetative Nervensystem (Sympatikus und Parasympatikus) steuert die autonomen Nervensysteme, die nicht von unserem Willen abhängig sind. Es steht in enger Wechselwirkung mit der Verfassung von Körper und Geist beim Zazen. Dabei wird das Gleichgewicht aller physischen, psychischen und geistigen Funktionen erreicht. Diese Verfassung wird «shinjin datsuraku» (Körper und Geist abwerfen) genannt, als Befreiung vom gewöhnlichen Bewusstsein von Körper und Geist. Wir erlangen einen Zustand, der im normalen Leben nicht erreicht werden kann. Wir können im Zazen das Leben in reinster Form erfahren.

 

In diesem absichtslosen Sitzen ohne Gewinn liegt der wesentliche Ursprung und das Zentrum der buddhistischen Lehre.

Es geht um einen Schnittpunkt, wo sich das ICH als Subjekt und die Welt als Objekt unmittelbar berühren und Eins werden, ein Praktizieren der Wirklichkeit in jedem Augenblick im Handeln selbst.

Diese existierende «Soheit» entspricht im Buddhismus der Form einer wahren, fundamentaler Wirklichkeit, unabhängig von Wünschen, Hoffnungen, Ängsten und Erwartungen gestresster Menschen.

 

Der normale Mensch sieht die Wirklichkeit stets nur verzerrt, durch die Raster seines eigenen Denkens, der Sinnesorgane und dem Ego.

 

Der alte Meister von Dõgen bemerkte: „Die Praxis von Zazen ist das Abwerfen von Körper und Geist. Sie brauchen kein Räucherwerk anzuzünden, keine Ehrerbietung zu erweisen, nicht Buddha-Namen zu rezitieren, keine Busse zu tun oder Sutras lesen. Es ist einfach nur das konzentrierte und achtsame Sitzen.“

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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