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Beim Zazen sind Denken und Tun eins, als natürlicher Zustand von Körper und Geist und dabei die reinste Form jenseits des Ich-bezogenen Denken und Fühlen.

Denken und Tun zugleich ist nur in höchster Präsenz und unmittelbar möglich, als ganz sein im Moment. Die Praxis des Zazen ist eine Form der Erkenntnis, die mit gewöhnlichen Denken und Verstand nicht erfasst werden kann.

 

Das vegetative Nervensystem (Sympatikus und Parasympatikus) steuert die autonomen Nervensysteme, die nicht von unserem Willen abhängig sind. Es steht in enger Wechselwirkung mit der Verfassung von Körper und Geist beim Zazen. Dabei wird das Gleichgewicht aller physischen, psychischen und geistigen Funktionen erreicht. Diese Verfassung wird «shinjin datsuraku» (Körper und Geist abwerfen) genannt, als Befreiung vom gewöhnlichen Bewusstsein von Körper und Geist. Wir erlangen einen Zustand, der im normalen Leben nicht erreicht werden kann. Wir können im Zazen das Leben in reinster Form erfahren.

 

In diesem absichtslosen Sitzen ohne Gewinn liegt der wesentliche Ursprung und das Zentrum der buddhistischen Lehre.

Es geht um einen Schnittpunkt, wo sich das ICH als Subjekt und die Welt als Objekt unmittelbar berühren und Eins werden, ein Praktizieren der Wirklichkeit in jedem Augenblick im Handeln selbst.

Diese existierende «Soheit» entspricht im Buddhismus der Form einer wahren, fundamentaler Wirklichkeit, unabhängig von Wünschen, Hoffnungen, Ängsten und Erwartungen gestresster Menschen.

 

Der normale Mensch sieht die Wirklichkeit stets nur verzerrt, durch die Raster seines eigenen Denkens, der Sinnesorgane und dem Ego.

 

Der alte Meister von Dõgen bemerkte: „Die Praxis von Zazen ist das Abwerfen von Körper und Geist. Sie brauchen kein Räucherwerk anzuzünden, keine Ehrerbietung zu erweisen, nicht Buddha-Namen zu rezitieren, keine Busse zu tun oder Sutras lesen. Es ist einfach nur das konzentrierte und achtsame Sitzen.“

 
 
  • Fredi Steiner

Laotse (chin. Philosoph, ca. 6. Jh. vor Chr.):

«Die Belehrung ohne Worte, den Wert des nicht Handelns, erreichen nur wenige auf Erden.»

 

Wir sind in unserem Leben fast dauernd durchgetaktet, physisch wie psychisch. Wir erfahren fast keine Räume mehr, wo wir uns wieder zu uns selbst lassen können und uns mental erholen.

 

Im Taoismus (chin. Philosophie, 1. Jh. n. Chr.)  bedeutet WU WEI Handeln durch Nicht-Handeln.

Es bedeutet, im Einklang mit der natürlichen Ordnung der Dinge leben, das Vertrauen in den natürlichen Fluss der Dinge finden durch eine tiefe Form von Akzeptanz und Selbstwirksamkeit.

Der Moment oder das Jetzt erfahren kann man nicht machen oder tun, indem wir die reine Natur wirken und fliessen lassen, erleben wir die Unmittelbarkeit und die Realität.

 

Wir erleben Zeiten starker Einflüsse und Veränderungen, was zu Verunsicherung führt. Eben durch

Nicht-Tun erschaffen wir Zeit, um uns innerlich von diesen Abhängigkeiten zu befreien, um zu innerer Ruhe, Klarheit und Weitsicht zu finden und um wieder in ein Gleichgewicht zu gelangen.

 

Wenn wir das konventionelle Ich, die durch Denk- und Verhaltensmuster gebildete Person zurücklassen können, finden wir zu innerer Freiheit und Spontanität.

Es entsteht ein Handeln aus innerer Stille, wo Aktionismus hinderlich wirkt. Für unseren getriebenen Geist ist dieses Nicht-Tun schwer zugänglich, Meditation hilft uns dabei.

 

Der hingebungsvolle Akt, die Gegenwart zu akzeptieren und völlig im Augenblick zu leben ermöglicht uns, neue und heilsame Einsichten zu erhalten. Mit Achtsamkeit, Gelassenheit und intuitiver Weisheit gelangen wir zu hoher Verbundenheit mit uns selbst und dem grossen Ganzen.

 
 

Mit Transformation erfahren wir eine intensive Wandlung von unserer Person und unserem Wesen, die stetig den Weg zu uns und zum Selbst öffnet.


Durch unser Verhalten und einer Neuausrichtung in unserer Denkweise und Lebensweise, mit Meditation und Achtsamkeitspraxis, erschaffen wir eine Ausgangslage, um tiefere Be-reiche in uns zu erwecken. Eine Transformation geschieht so ausserhalb unserer persönlichen Bemühungen, das Göttliche, eine tiefe Natur oder das kosmische Wirken mit ihrer Energie beginnen unser Wesen tiefgreifend zu wandeln.


Es verändert die innere Sicht der Welt von innen heraus über feinstoffliche Ebenen, auf die wir keinen Einfluss haben. Intuitiv erfahren wir Abkehr oder Änderung unserer gewohnten Muster und Masken und verspüren eine Erneuerung unserer Person im inneren und im weltlichen Bereich. Dieser Prozess ist ein fortwährender Vorgang, solange wir mit unserer Mitte in Verbindung bleiben.


Wir lernen, mit unserem Schatten und den unterdrückten Seiten unseres Unterbewusstseins umzugehen und sehen die Welt in einem anderen Licht, wir erfassen die Scheinwelt, in der wir uns aufhalten.

Wir leben dabei authentischer und spüren ein starkes Gefühl von Liebe, die alles durchdringt. Wir identifizieren uns nicht mehr über unser Ego, aber wir lernen diszipliniert und mit hohem Bewusstsein damit umzugehen.


Je mehr Raum und Stille in uns wächst, umso bewusster und kognitiver können wir mit uns und der Welt umgehen. Spiritu-elle Transformation bewirkt, dass wir über uns selbst in einen Zustand des Meta-Bereiches unseres Geistes gelangen und so eine tiefere und natürliche Verbundenheit mit anderen und der Welt erfahren.


Geduld und Vertrauen sind auf diesem Weg wertvoll, um mit unseren Bemühungen nicht nachzulassen, wir folgen dabei einer tiefen Sehnsucht. In Erfahrung einer tiefen Stille finden wir zu einer unsterblichen Grundessenz. Wenn sich die Eindrücke aus diesem tiefen Sein mit der gewöhnlichen, weltlichen Persönlichkeit verbindet, erweitert und auf die Realität trifft, wirkt die Transformation.

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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