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  • Fredi Steiner

Wenn wir stets auf anderes ausgerichtet sind, entschwindet langsam das eigene Selbst. Empfindungen für sich selbst fehlen plötzlich, solche Menschen sind nur noch nach aussen ausgerichtet und sind selbst innerlich verwahrlost.

 

Mit einer persönlichen, inneren Entwicklung kommen wir in die Lage, Transformation zu erfahren, wenn eine wirkliche Wahrnehmung des Jetzt-Zustandes fortgeschritten ist. Wir können diese Erfahrungen in die weltlichen Zustände integrieren und finden zu einem zufriedeneren und ausgeglichenen Leben.

 

Gemäss Carl Gustav Jung ist spirituelles Erwachen ein Prozess einer langjährigen Transformation, den Jung als „Individuation“ oder einer Herausbildung einer stabilen Persönlichkeit bezeichnet. Nach Jung erfordert es Mut, sich auch den dunkelsten Tiefen der Seele zu stellen, was vielen verborgen bleibt. Wir lernen dabei, sich der eigenen Schattenseiten zu stellen und sich damit versöhnen, unsere eigene Bewusstheit wächst dabei. Es entsteht nach Jung eine Synchronizität des kollektiven Unbewussten oder nicht lokalen Bewusstsein mit dem individuellen Bewusstsein.

 

Diese Erfahrung kann nach Jung verwirrend sein für jene, die das Leben nur auf materielle Sicht richten. Mit einer tiefen Kenntnis merken wir, dass wir nicht zufällig durch das Leben stolpern, dass es eine tiefere Ordnung gibt, eine Intelligenz, die durch die Ereignisse wirkt, diese Erkenntnis schenkt das Gefühl des Vertrauens und der Verbundenheit mit dem Leben, als Teil eines Ganzen. 

Erwachte Menschen leben intensiver, weil ihnen die Vergänglichkeit näher bewusst ist, dass jeder Moment kostbar ist. Ein Erleben von Einheit und Verbundenheit als transformierende Erfahrung, wo alle Dualität aufgehoben ist, führt zur Verwirklichung des Selbst als Zentrum der umfassenden Persönlichkeit.

 

Wichtig wird die Qualität des Bewusstseins, die Tiefe einer Einheit und die Authentizität des Seins. Erwachte Menschen leben nach Jung oft einsamer, aber erfüllter. Eine solche Erfahrung ist nicht für alle zugänglich, eine bestimmte Reife der Entwicklung ist erforderlich, der Weg ist lang und kann sogar schmerzhaft sein.

 

Dieser Weg erfordert, sich und das Ego stets zu hinterfragen, auch alte Gewohnheiten loszulassen.

 

Auf diesem Weg lernen wir uns und die Welt besser und tiefer zu verstehen und damit bewusster umzugehen, was sich und den anderen Lebewesen das Leben verbessert.

 
 

Spiritualität begleitet uns das Leben lang, ohne dass sich die meisten Menschen dem bewusst sind, weil sie sich fast nur nach aussen orientieren. Das Wort «Spiritualität» löst bei vielen Menschen ein Gefühl der Unsicherheit oder Unbeholfenheit aus.

 

Spiritualität ist schwer greifbar, unser Verstand fühlt sich eher überfordert damit.

 

Es geht um eine Verbundenheit zu sich selbst, zum unmittelbaren Moment, zur eigenen Mitte und zum inneren Gleichgewicht, zum inneren Frieden.

 

Es geht um die Reflektion von sich selbst, jenseits von materiellen und dualistischen Zuständen. Wir finden zum eigenen, inneren Grund, der uns trägt in jedem Moment, der mit Allem verbunden ist, bis in die Unendlichkeit.

 

Das Ego ist nicht mehr der Hauptakteur, der uns durch das Leben führt und ein Phänomen und Konstrukt von einer Person aus uns macht.

 

Je nach Religion soll Spiritualität auch ein Zugang zum Göttlichen bereitstellen. Sie bewirkt einen direkten Zugang zu unserem inneren Wesen und aller anderen Existenzen. Spiritualität ist an keine Religion gebunden, kann aber auch ein besseres und geklärtes

 Verständnis innerhalb einer bestimmten Religion aufbauen.

 

Mit einer tieferen Sicht auf das Leben können wir damit auch besser umgehen, besonders mit Schmerz und Leid, das wir lernen so anzunehmen, wie es ist, um mit Übersicht und Gelassenheit einen Weg daraus zu finden und innerlich zu wachsen.

 

Aus Voraussetzung müssen wir bereit sein, moralisches und ethisches Leben zu führen mit Liebe und Mitgefühl zu sich und zu allen Lebewesen.

 
 

Wir gehen fast das ganze Leben immer fremd --- weil wir nie bei uns selbst angekommen sind. Manche machen sich dafür auf einen Weg durch Auswanderung, Reisen, Aufenthalte, Lustbefriedigung und merken nicht, dass das Selbst immer, und jeden Moment präsent wäre.

 

Durch bewusste Einsamkeit kommen wir der Selbstfindung näher, die meisten Menschen fürchten oder vermeiden die Stille, da sie zu Angst oder Unwohlsein führen kann, weil wir uns nur dort uns selbst begegnen, in unserem eigenen Grund.

 Der innere Weg kann nur in der Stille gegangen werden, wo innerer Frieden gewonnen werden kann und keine äusserlichen Abhängigkeiten uns bedrängen.

 

Die Reise nach innen ist eine höhere Form des Daseins ohne Masken. Wer allein sein kann, entwickelt eine tiefe Selbstachtung. Das Glück der Menschen kann zerbrechlich sein, eine Abweisung oder eine schlechte Äusserung kann momentanes Glück zerstören.

 

Stille schafft Raum für persönliches, inneres Wachstum und Achtsamkeit. Sich selbst öffnen kann man nur allein, ohne fremde Hilfe und Ablenkung.

 

Wenn der Lärm der Welt verstummt, kann sich die eigene Seele öffnen, wer allein sein kann, hat Zugang zu seinem eigenen, tiefen Grund. Introspektion ist keine Flucht vor dem Leben, sondern eine Rückkehr zu seinem Ursprung. Bewusstsein entsteht im Zwischenraum zweier Gedanken, Lärm hindert ein Bewusstseinsaufbau.

Selbsterkenntnis aufbauen können weder Unis noch Lehrbücher, jeder Mensch kann nur allein Zugang zu seiner Mitte finden und sich auch dort entfalten.

 

Persönliches Wachstum entsteht nicht in der Menge, sondern im Moment der Reflektion.

Einsamkeit ist nicht Abwesenheit von etwas, sie ist die Präsenz von etwas Grösserem. Wir sind stets bedacht, dieses Vakuum zu meiden, daher schaffen wir latent Ablenkung von uns, von der Stille durch Geschäftigkeit und Lustbefriedigung aller Arten.

 

Es gibt Dinge, die nur in der Stille gefunden werden können, wie das Erfahren unserer eigenen wahren Natur und die Verbindung mit sich selbst.

 

In der Einsamkeit finden wir, was uns keine Beziehung geben kann, Sich selbst.

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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