top of page
  • Fredi Steiner

Wie zerbrechlich sind wir?

Wir leben dauernd in einem Gedankengebäude von Vorstellungen, gegen aussen betonen wir unsere Individualität durch materielle Dinge wie Kleidung, Haare, Taschen usw, das ergibt dadurch eine eigene Erscheinung, die uns vermeintliche Sicherheit gibt, das bin ich oder das Ego.

Unsere Gedanken verführen uns immer wieder zu neuem «Glück» oder neuen «Glücksmomenten» bis ein Ereignis eintrifft, das unsere inneren und äusserlichen gedanklichen Konstrukte zerbricht. Meistens passiert das schnell und gleich schnell möchten wir wieder neuen Halt an neuen Vorstellungen und Gebilden finden, wir haben wohl auch ein Recht darauf, neue konstruierte Sicherheit zu finden, jedoch an letztlich unbeständigen Phänomenen. Wir möchten mögliches Leid verhindern, obwohl uns eben Leid mit richtiger Verarbeitung weiterbringt.

So bringt uns auch die Zeit mit dem Corona Virus eine Unsicherheit in unseren gewohnten Lebensablauf durch die Negativmeldungen in der Presse, es besteht zusehends ein Unsicherheitsgefühl. Unser gewohnter Lebensablauf, der uns Halt gibt in einem bestimmten geschaffenen System muss latent angepasst werden. Wir befinden uns in einer unsicheren und unbestimmten Zeitspanne, was uns latent irritieren kann.

Wo finden wir noch Halt und Sicherheit?

Nur die wenigsten Menschen zieht es zu ihrem eigenen inneren Grund oder finden ihn, aus dem alles aus der Unerschaffenheit entsteht. Dieser Grund bedeutet im mystisch-religiösen oder spirituellen Kontext Gott, Buddha-Natur, das Absolute, das einzig Beständige und letztlich die Einheit als Verbindung zum Kosmos. Diese Beständigkeit ist stets in allen Menschen in allen Lebenssituationen präsent, vielleicht über den Tod hinaus. Wo finden wir diesen stützenden Grund, der beständig und doch flüchtig ist. Wir können durch Sehnsucht danach und Liebe, sowie achtsamer Aufmerksamkeit in der Wahrnehmung des unmittelbaren Moments des wirklichen Lebens mit ihm in Kontakt gelangen, in dem wir uns ins Schweigen und in die innere Stille begeben. Dazu braucht es einen Willen zur Selbstüberwindung, in dem wir unser eigenes phänomenales Konstrukt loslassen können und in einen Raum der Ganzheit gelangen. Wir müssen über unsere eigene Person hinaussteigen und frei und zugänglich werden, dabei merken wir, dass wir dort gut aufgehoben sind. Aus diesem Raum können wir stets neue Kraft für unser Dasein finden.

Diese reine Wirklichkeit kann nicht durch Sprache, Worte, diskursives Denken oder Gedanken erlangt werden, sondern durch eine solide geistige Haltung, auch im Alltag.

«Geh in deinen Grund – da ist dein Leben» Meister Eckhart

Ein Berliner Witz; ein Berliner sagt zum anderen «Mensch jeh in dir», der andere erwiederte «war ick schon, och nichts los!».

«Stehlen» wir uns täglich ernsthaft ein paar wenige Minuten und lassen wir uns mit bewusster und freier Atmung nur in die eigene, innere Stille ein. Die Natur macht es uns fortwährend vor, lassen wir uns in einen natürlichen und freien Zustand ein.

Wir finden so in dieser Corona-Zeit und bei allen unzulänglichen Lebenssituationen stets Halt und Stabilität aus unserem eigenen inneren Grund heraus.

«Es ist der fernste Weg, der am nächsten zu dir selbst führt und jene Übung ist die Schwierigkeit, die zum allereinfachsten Ton führt.

An jede fernste Tür muss der Wanderer klopfen, bis er zur eigenen gelangt, durch alle äusseren Welten muss man ziehn, zuletzt zum Allerheiligsten zu kommen.»

Rabindranath Tagore, 1861 – 1941, bengalischer Dichter und Philosoph.




 
 
  • Fredi Steiner

Zen 22.10.20.


Sternenstaub wurde zum Lebensspender auf der Erde. Wir Menschen agieren bewusst und nicht wahllos.

Wie wurde aus bedeutungslosem Staub ein menschlicher Körper mit sinnreichem Leben. Gemäss Freeman Dyson (Physiker und Mathematiker, 1923-2020) ist es der Geist. Wenn der Geist Verknüpfungen herstellt, gibt es im Universum kein Sinn einer Aufteilung in Zufälliges und Nichtzufälliges, Geist bestimmt unser Leben und somit die Wirklichkeit. Geist füllt alle Räume aus.

1930 trafen sich Einstein und der bekannte indische Dichter und Philosoph Rabindarnath Tagore. Es ging um ein Gespräch über die Eigenschaft der Wirklichkeit. Während die Naturwissenschaft die spirituelle Weltsicht immer mehr infrage stellte, entstand bei Tagore immer mehr die Gewissheit, dass beim ihm eine aussergewöhnliche und authentische Beziehung zu einer höheren Welt oder Geist bestand.

Einstein fragte Tagore: „Glauben sie, dass das Göttliche von der Welt getrennt ist?“

Tagore: „Nein, die unendliche Persönlichkeit eines Menschen umfasst das Universum. Es gibt nichts, was nicht von Menschen aufgenommen werden kann – die Wahrheit des Universums ist die Wahrheit des Menschen.“

Lassen wir uns ein in die Wolke des Nichtwissens, wo sich Geist und Person treffen indem wir lernen loszulassen.

 
 

Meditation 15.10.20.


„Das Kind, dem man ein fürstliches Kleid anzog und das Juwelen um seinen Nacken trägt, verliert alle Freude an seinem Spiel, behindert vom Kleid bei jedem Schritt.

Aus Furcht es könnte zerreißen, vom Staube befleckt sein, hält es sich fern von der Welt und fürchtet sich beinahe, sich zu regen.“

Je individueller man sich verhält, je einsamer wird man, je mehr distanziert man sich von der Welt. Diese Individualität beginnt schon bei den Gedanken, die uns so stets in Abwesenheit von uns selber bringen. Schon bei den Gedanken entstehen durch unser Ego Zweifel und Verletzlichkeit im Geist, wenn das Resultat nicht den Vorstellungen entspricht.

Mit der Seins-Erfahrung finden wir zu uns selber und erleben eine Erfahrung des Seins, in der die Empfindung der Individualität verschwindet. Wir erleben ein Gewahrsein und eine Klarheit im Moment, die uns innerlich frei und stärker macht.

Wir erleben durch Ueben ein anstrengungsloses Sein – eben zu sein, was man bereits in eigenem Grunde schon ist, entbehrt jeder Anstrengung.

Das Selbst wird nicht gefunden, indem wir etwas tun, sondern dass wir sind.

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

bottom of page