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  • Autorenbild: Fredi Steiner
    Fredi Steiner
  • 8. Nov. 2020
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Nov. 2020


Wie zerbrechlich sind wir?

Wir leben dauernd in einem Gedankengebäude von Vorstellungen, gegen aussen betonen wir unsere Individualität durch materielle Dinge wie Kleidung, Haare, Taschen usw, das ergibt dadurch eine eigene Erscheinung, die uns vermeintliche Sicherheit gibt, das bin ich oder das Ego.

Unsere Gedanken verführen uns immer wieder zu neuem «Glück» oder neuen «Glücksmomenten» bis ein Ereignis eintrifft, das unsere inneren und äusserlichen gedanklichen Konstrukte zerbricht. Meistens passiert das schnell und gleich schnell möchten wir wieder neuen Halt an neuen Vorstellungen und Gebilden finden, wir haben wohl auch ein Recht darauf, neue konstruierte Sicherheit zu finden, jedoch an letztlich unbeständigen Phänomenen. Wir möchten mögliches Leid verhindern, obwohl uns eben Leid mit richtiger Verarbeitung weiterbringt.

So bringt uns auch die Zeit mit dem Corona Virus eine Unsicherheit in unseren gewohnten Lebensablauf durch die Negativmeldungen in der Presse, es besteht zusehends ein Unsicherheitsgefühl. Unser gewohnter Lebensablauf, der uns Halt gibt in einem bestimmten geschaffenen System muss latent angepasst werden. Wir befinden uns in einer unsicheren und unbestimmten Zeitspanne, was uns latent irritieren kann.

Wo finden wir noch Halt und Sicherheit?

Nur die wenigsten Menschen zieht es zu ihrem eigenen inneren Grund oder finden ihn, aus dem alles aus der Unerschaffenheit entsteht. Dieser Grund bedeutet im mystisch-religiösen oder spirituellen Kontext Gott, Buddha-Natur, das Absolute, das einzig Beständige und letztlich die Einheit als Verbindung zum Kosmos. Diese Beständigkeit ist stets in allen Menschen in allen Lebenssituationen präsent, vielleicht über den Tod hinaus. Wo finden wir diesen stützenden Grund, der beständig und doch flüchtig ist. Wir können durch Sehnsucht danach und Liebe, sowie achtsamer Aufmerksamkeit in der Wahrnehmung des unmittelbaren Moments des wirklichen Lebens mit ihm in Kontakt gelangen, in dem wir uns ins Schweigen und in die innere Stille begeben. Dazu braucht es einen Willen zur Selbstüberwindung, in dem wir unser eigenes phänomenales Konstrukt loslassen können und in einen Raum der Ganzheit gelangen. Wir müssen über unsere eigene Person hinaussteigen und frei und zugänglich werden, dabei merken wir, dass wir dort gut aufgehoben sind. Aus diesem Raum können wir stets neue Kraft für unser Dasein finden.

Diese reine Wirklichkeit kann nicht durch Sprache, Worte, diskursives Denken oder Gedanken erlangt werden, sondern durch eine solide geistige Haltung, auch im Alltag.

«Geh in deinen Grund – da ist dein Leben» Meister Eckhart

Ein Berliner Witz; ein Berliner sagt zum anderen «Mensch jeh in dir», der andere erwiederte «war ick schon, och nichts los!».

«Stehlen» wir uns täglich ernsthaft ein paar wenige Minuten und lassen wir uns mit bewusster und freier Atmung nur in die eigene, innere Stille ein. Die Natur macht es uns fortwährend vor, lassen wir uns in einen natürlichen und freien Zustand ein.

Wir finden so in dieser Corona-Zeit und bei allen unzulänglichen Lebenssituationen stets Halt und Stabilität aus unserem eigenen inneren Grund heraus.

«Es ist der fernste Weg, der am nächsten zu dir selbst führt und jene Übung ist die Schwierigkeit, die zum allereinfachsten Ton führt.

An jede fernste Tür muss der Wanderer klopfen, bis er zur eigenen gelangt, durch alle äusseren Welten muss man ziehn, zuletzt zum Allerheiligsten zu kommen.»

Rabindranath Tagore, 1861 – 1941, bengalischer Dichter und Philosoph.




 
 
 

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