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«Hast du deinen Verstand verloren!» In der Stille müsste man sagen «Ja» oder eher überschritten, aber warum?


Die gelehrte Unwissenheit

Nikolaus von Kues ca 1401 -1464


Eine Einsicht von Nikolaus von Kues ist das Zusammenfallen aller Gegensätze, gemäss Hegel der definitive Inhalt aller Philosophien.

Eine absolute Wahrheit lässt sich mit unserem endlichen Verstand nicht finden, was unserer unüberwindbaren Unwissenheit entspricht. Die absolute Wahrheit ist unserem Denken und Verstand nicht zugänglich, weil dort nur Dualismus existiert, er kann nur durch Vergleiche wachsen.


Auch die Skandhas (Buddh. die fünf Ansammlungen von Form, Gefühl, Unterscheidungen, Geistsammlungen, Bewusstsein) führen zu einer Person, die die Welt lediglich aus seiner eigenen Sicht sieht. Löst sich diese Illusion auf, ist die Befreiung von Leid möglich. Schon in den ersten Lehrreden Buddhas ca. 500 J.v.Ch. werden die fünf Daseinsfaktoren oder die geistig geformte Person hinterfragt als festen Bestandteil einer tiefen Einsicht.


«Wirklichkeit oder Gott kann niemals Gegenstand des diskursiven Denkens sein, sondern kann sich nur einer schauenden Vernunft zu erkennen geben.» N. v. K


Eine Person nur als Person existiert nicht aus sich selbst heraus, daher bleiben die Menschen in einer stetigen Abhängigkeit. In jüngster Zeit wird durch kosmologisches Denken (gemäss Buch) ein Rückgriff auf philosophische Traditionen ausgeübt und zu einer interdisplizinären Geist- und naturwissenschaftlichen Forschung verschränkt.


«Je intensiver wir die Finsternis erkennen, desto wahrer erreichen wir in der Finsternis das unsichtbare Licht.» NvK

 
 
  • Fredi Steiner

1952 fand eine Uraufführung in New York statt mit dem Pianist David Tudor mit der Bezeichnung „4‘33“. Es besteht keine einzige Note zu diesem Stück vom Komponist John Cage, der Pianist schloss den Klavierdeckel uns sass einfach nur 4.5 Minuten da.

Das irritierte Publikum soll die Stille kaum ertragen haben. Manche begannen zu reden und andere Zuhörer verliessen den Saal.


Von einem Kollegen erhielt ich eine Postkarte mit einem Text von Niklaus Brantschen: „Stille ist nichts für Feiglinge“

Stille ergibt das Gefühl, das Leben zu verpassen und führe zu Haltlosigkeit.


Unser Gehirn kann gemäss Studien seine eigenen Recoursen besser regenerieren, wenn das Hirn in einer Ruhephase ist.

Warum können wir die Stille schlecht ertragen? Der Mensch hat ein natürliches Verlangen nach Reizen, Stille ist eine Leere, wo die Menschen ein Gefühl von Einsamkeit empfinden können.

Gemäss Blaise Pascal (1623 – 1662) suchen alle das Glück in der Zerstreuung, wo wir nicht an unsere eigene Sterblichkeit erinnert werden oder an Leid, da alles Substanzielle einer Unbeständigkeit unterworfen ist, was für uns ja auch beängstigend wirkt.


Ein Stadium der Reizarmut kann hilfreich sein, wenn wir durch die Stille in Kontakt mit uns selbst treten können, was unser Geist befreit und dadurch Ruhe und Klarheit, Freude und Liebe fördert.


Meditation heisst, sich immer wieder neu zu finden, es geht darum die wirkliche Gegenwart zu erfahren und erfassen.

Wir werden dabei fähig, Distanz zu unserer eigenen Person zu erhalten, somit gewichten Gefühle nicht mehr so stark und diese können uns so nicht oder weniger stark steuern.

Wir lernen mit innerer Klarheit besser mit unserem und dem Leben anderer umzugehen.

 
 
  • Fredi Steiner

Die Leerheit wird als Substanzlosigkeit oder Illusion aller weltlichen Phänomene gesehen, so kann sie nicht mit den Sinnen oder dem Denken erfasst werden.

Die Leerheit ergänzt unser weltliches Bewusstsein mit einer höheren, unfassbaren Dimension, welche Beständigkeit besitzt.

Meister Dogen sagt: «Leerheit ist nicht Nicht-Existenz sondern die Leerheit ist direkte Erfahrung der Wirklichkeit, so wie sie ist, jenseits von denken, fühlen und wahrnehmen.»

Nãgãrjuna sagte: «Wenn ihr die Buddha-Natur sehen wollt, gebt eure Ich-Sucht auf, sie ist weder gross noch klein, weder weit noch eng, sie ist ohne Glück und Belohnung, sie stirbt nicht noch wird sie geboren.» (Ich-Sucht Einbildung)

Wahres Wirken ist jenseits von Klang und Form und ist mit dem Intellekt nicht verstehbar.

Buddha-Natur ermöglicht ein Handeln, das frei von Hindernissen ist und wird nicht von den Fesseln des weltlichen Lebens behindert.

Mit dem reinen Zazen sind wir im Einklang mit allem und praktizieren das innere Gleichgewicht und die Weisheit.

Buddha-Natur oder Sein in einer höheren Dimension ist sogar jenseits des erleuchteten Wissens oder Verstehens. Ein Eindruck eines Wissens oder der Eindruck einer Erleuchtung hindert das höchste Sein.

Im Zustand der Einheit des Seins jenseits aller dualistischen Trennung erwacht die intuitive Weisheit, die im Sanskrit «Prajñã» heisst, welches im tiefsten Grund alle Menschen von Natur aus besitzen.


Sitzen mit aufrechter Wirbelsäule und mit freier Atmung, hilft uns das vegetative Nervensystem auszugleichen. In dem natürlichen Gleichgewicht in unserer Mitte verlieren Gedanken und weltliche Wahrnehmung an Kraft und führen zum Erwachen ohne Verzerrungen.


Wir gewinnen Gelassenheit gemäss Aussage von Dogen: «Selbst wenn dies alles so ist, fallen die Blüten, obwohl wir es bedauern und wächst das Unkraut, obwohl es uns nicht gefällt».


Abschluss:

Buddha-Natur erachte ich als ein Durchschauen des eigenen Wesens und der Welt und das sich einlassen können in den Moment. Daneben darf auch das weltliche Leben existieren.

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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