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«Je stärker wir uns auf Vergangenheit und Zukunft konzentrieren, umso mehr entgeht uns das Jetzt – das Kostbarste, was es gibt»


Normalerweise existiert unser Individuum durch unser Bewusstsein in einer Art phänomenalen Räumen von Erlebnissen der Vergangenheit und Vorstellungen der Zukunft, welche nur verzerrt durch unsere tendenziellen Neigungen wahrgenommen werden können. Man bringt sich wohl auch so durchs Leben.


Fast alle Menschen kennen den gegenwärtigen Augenblick nie und verpassen die aktuelle Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit kann nicht im Bewusstsein aufgenommen und gespeichert werden, dort existieren nur Gedanken über Vergangenheit oder Zukunft, obwohl gerade diese Unmittelbarkeit uns tragen und stützen kann.


Nur im jeweiligen Jetzt findet das reale Leben statt, hier handeln und wirken wir wirklich. Für unser spirituelles Leben ist dieser heilige Moment das Tor zu unserem inneren Sein und Selbst. Dort ist unser Zugang zu einer höheren Lebensstufe. Dieses Jetzt entzieht uns der Zeit, wo es weder Leiden noch Sorgen gibt.


In diesem Jetzt übersteigen wir unsere eingeschränkte Identität und gelangen in ein grosses Ganzes, wir lösen uns aus dem Gefängnis von Zeit und Zwang. Der Moment öffnet unseren eigenen inneren Raum, er ist nicht materiell und ist unbegrenzt. Der Moment bildet die Schnittstelle mit uns und dem Absoluten.


In der Relativitätstheorie sind Vergangenheit und Zukunft Räume von Ereignissen, die zeitig stets von der Gleichzeitigkeit entfernt sind.


Lassen wir uns in die Übung ein und wenden uns für eine kurze Zeit nach innen und lassen die Zeit aussen.


Wirkliche Liebe kann nur im Moment gelebt werden.

 
 

Viele verwechseln das spirituelle Selbst mit dem Ich. Das Ich kann nur mit einem Gegenüber existieren.


Nach C.G. Jung ist das Selbst Teil eines grösseren Ganzen, das Bewusstsein kann das Selbst nie begreifen. Wegen der nie vollständig bewussten Erkennbarkeit ist das Selbst ein Grenzbegriff für die unbekannte Ganzheit des Menschen.


Das spirituelle Selbst ist stets schon anwesend, wir müssen nur erfahren, dass das Selbst in uns schon immer präsent ist, wenn wir erwachen und entsteigen aus der Vielheit und Zerstreutheit.

Das Selbst ist nicht unsere eigene Person, nicht die eigene Geschichte, ohne persönlichen Wünsche und Pläne.

Das Ego kann das wahre Selbst nicht erfahren, wir können nur erkennen, dass unser Selbst schon immer da war, jenseits des Ego.


Wir können das Selbst nicht finden, es gibt keine Wechselwirkungen, keine Phänomene. Wir und das Selbst sind nicht zwei, keine Erscheinung, das Selbst und ich sind eins.


Unser Selbst hat keine Vergangenheit und keine Zukunft, es ist. Es ist unberührbar, ungeboren. Es ist das, was die Gedankenabwesenheit wahrnimmt.

«Sei die Ich-Heit ohne Ich-Gebilde, ohne Ich-Begrenzungen»


Wir können nur versuchen, das Selbst mit Negativ-Begriffen durch Nicht- oder Un- Silben zu erklären.


Das Selbst ist unser unberührbarer Grund, der uns unbewusst hält. Dogen hat dafür die Formel: «Körper und Geist fallen lassen»

Das führt zu einem Urvertrauen – ICH BIN

 
 

Die Übung des Zazen (Sitzen) bedeutet im Shõbõgenzõ (grosses Werk von Dogen, Zen Patriarch) folgendes:

«Hishiryo» bedeutet gemäss Sõtõ-Zen Schule, dass die letzte Wirklichkeit jenseits des Denkens ist. «Hi» bedeutet «nicht» und «Schiris» heisst «Denken oder Bewusstsein».

Gemäss Dõgen sind wir bei entsprechender Übung in einem völlig natürlichen Zustand als Einheit von Körper und Geist, aber ist dann unser normaler, alltäglicher Zustand unnatürlich?

In der Shikantaza-Tradition erleben die Praktizierenden die Einheit des reinen Seins in reinster Form, jenseits vom Ich-bezogenen Denken und Fühlen.

Unsere beiden Hirnhälften, Sympathikus (aktiviert Denkprozesse) und Parasympathikus (sorgt für Entspannung) beeinflussen unser vegetatives Nervensystem in Wechselwirkung. Wenn beide Systeme im Gleichgewicht sind, nennt man das im Sõtõ-Zen «Shinjin Datsuraku» als eine Befreiung vom persönlichen Bewusstsein von Körper und Geist. Man redet ja viel von Loslassen und Achtsamkeit.

Wenn wir nicht an Körper und Geist oder an unseren Gedanken fixiert sind, können wir im Zazen das Leben in reinere Form erfahren.

Buddha stellte fest, dass die reine Natur im Kosmos ohne Verfälschung oder eigene spekulative Annahmen und Vorstellungen so die Wirklichkeit bildet.

Manche Menschen verwechseln die wahre Welt mit ihren eigenen gemachten Ansichten und glauben, dass ihre eigene individuelle Einstellung der wahren Welt entspricht.

Vielleicht schadet es nicht, sich und die eigene konstruierte Welt mal zwischendurch zu hinterfragen durch Loslassen von eigenen Fixierungen, Liebe hilft enorm.

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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