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  • Fredi Steiner

Zen ist eine Schule und eine Übung ausserhalb der Schriften. Wahre Einsichten können nie schriftlich wiedergegeben werden, sie können nur im Innersten jedes einzelnen Menschen erfahren werden. Dabei gelangt man in eine tiefe, innere Natur, welche im ganzen Kosmos anwesend ist. Dabei verblasst die Bedeutung von Lehre und Ritual als zweckmässiges Mittel.


Jeder Mensch kann diese Natur nur bei sich selbst finden im stillen Sitzen.


Wir erfahren dabei einen Raum als Beobachter. Wir befinden uns stetig in einem Raum, welcher alles verbindet. Diese Erscheinung, dieses Worin ist unabweisbar und allen Menschen und Dingen gemeinsam.

In diesem Worin sind alle Dinge und Lebewesen verschränkt und wechselseitig abhängig

(pratityasamutpada). Wir lernen eine neue Sicht der Substanz aller Phänomene.


Im “Dhammacakkappavattana“ Sutra als erste Lehrrede des Buddha, geht es darum, wie man die wahre Natur des Seins mit der eigenen Weisheit erfassen kann, jenseits des physischen Auges oder den anderen Sinnesorganen.

 
 

Das Handeln im gegenwärtigen Augenblick in der Wirklichkeit steht über dem Denken oder den Sinnen.

Die einzige Zeit zum Handeln ist nur der gegenwärtige Augenblick, somit existiert unser Leben nur wirklich im Augenblick.

Dogen sagt, wer sich mit dem Geist des Nirvana verbindet, kennt das Prinzip der Augenblicklichkeit des Erscheinens und Vergehens aller Dinge.


Wirkliches Handeln ist eine völlig andere Dimension als das begriffliche Denken und Wahrnehmen. Wirkliches Handeln geschieht immer im gegenwärtigen Augenblick und dieser nie wiederkehrende Augenblick ist zeitlos und hat das Wesen der Ewigkeit.


Die Menschen kommen normalerweise nie in die Lage richtig zu handeln, als Einheit von Körper und Geist, um kein Unrecht zu tun. Wir haben dafür die Möglichkeit des Zazens, um sich mit der kosmischen Dimension in Einklang zu bringen, als reinste Form einer Handlung.


Im Gleichgewicht aller physischen, psychischen und geistigen Funktionen werden wir fähig, im Leben in jedem Augenblick direkt das zu tun, was zu tun ist und das zu vermeiden, was wir nicht tun sollen. Im Zustand der Einheit des Seins jenseits aller dualistischen Trennung erwacht die intuitive Weisheit, die im Sanskrit “Prajñã“ heisst, welches alle Menschen von Natur aus besitzen.


Es geht darum, das Leben in seiner ganzen Fülle, ob leidvoll oder glücklich, zu erkennen wie es eben ist.


Es gilt, eine Brücke zu überschreiten, um zur wahren Natur der Wirklichkeit vorzudringen. Der gewöhnliche Mensch sucht seine eigene, individuelle Wirklichkeit nur gefiltert und verzerrt durch die Raster seines eigenen Bewusstseins über die Sinnesorgane.


“Das Selbst ist weder ein Sein noch ein Nichts,

sondern endloser Wandel.“

 
 

Kaiser Wu in China hat Bodhidharma eingeladen und sagte zu ihm: “Ich habe unzählige Klöster herrichten lassen, liess Sutren kopieren und Priester ausbilden. Welche Verdienste habe ich damit erhalten?“


Bodhidharma: “Nicht das geringste Verdienst.“


Kaiser: “Weshalb sind keine Verdienste gewonnen?“


Bodhidharma: “All dies sind nur die unbedeutenden Resultate der Menschen und Götter, die das Überflüssige erzeugen. Sie sind wie Schatten, die den Erscheinungen folgen, obwohl sie existieren, sind sie nicht wirklich.


Kaiser: “Was ist wahrer Verdienst?“


Meister: “Die reine Weisheit, die wunderbar und vollkommen ist. Eben ein Körper, der aus sich heraus leer und still ist. Ein solcher Verdienst ist jenseits dieser Welt.“


Kaiser: “Welche ist die höchste aller heiligen Wahrheiten?“


Meister: “Sie ist strahlend und nicht heilig.“


Kaiser: “Wer ist der Mensch, der vor mir steht?“


Meister: “Ich weiss es nicht.“


Der Kaiser konnte nicht verstehen und der Meister wusste, dass die Zeit noch nicht reif war. Bodhidharma verliess den Ort heimlich und zog nach Norden.



F.S. Unsere eigene Welt und das Ich bestehen aus bruchstückhaften Phänomenen, welche wir über unsere Sinne aufnehmen, verarbeiten und sich so alle die eigene Welt zusammenstellen und erhalten oder abweisen wollen, je nach Empfindung.


Indem wir beim Sitzen versuchen, unsere Gedankengänge zumindest zu kontrollieren und innere Ruhe entstehen lassen, finden wir eine neue Welt der Klärung ohne Zerstreuung und Impulsen, welche uns stetige, innere Stabilität bietet.

Trotz der inneren Ruhe existieren wir, aber sind bei uns selbst und nicht von uns selbst abwesend.


«Das Selbst ist kein Sein und auch kein Nichts, sondern endloser Wandel.»

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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