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Spirituelle Meister aller Traditionen verweisen auf das “Jetzt“, um eine höhere Sicht zu erlangen.

 

Ein Koan oder Rätselsatz von Zen-Meister Rinzai heisst: “Was fehlt in diesem Moment?“

 

Wenn wir wie gewohnt bei dieser Frage nach etwas suchen oder sich gedanklich daran festhalten, blockieren wir unser Geist.

Dabei verpassen wir den unmittelbaren Moment, wo das Leben wirklich existiert.

 

Wenn wir uns vom “Grübeln“ lösen und in den Moment hineingelangen, öffnen wir unseren Geist über die Grenzen des rationalen Denkens und Daseins.

 

Wir erfahren und entdecken eine direkte Erfahrung der Gegenwart und erkennen, dass nichts fehlt, unser Leben ist so wie es gerade ist, eben vollständig, jenseits von mentalen Zuständen.

 

Rumi, ein persischer Sufi-Meister, 1207 – 1273:

“Vergangenheit und Zukunft verbergen Gott vor unserer inneren Sicht – verbrenne beide mit Feuer.“

 

Meister Eckhart, spiritueller Lehrer des 13. Jh. betonte:

“Zeit ist das, was das innere Licht von uns fernhält. Es gibt kein grösseres Hindernis auf dem Weg zu Gott als die Zeit.“

 

Wir gelangen im Erfassen des Moments in eine zeitlose Dimension, welche sich bis zur Unendlichkeit erstreckt, was eine andere Art von Wissen mit sich bringt.

 

Wir gelangen zu einem Wissen, das die Heiligkeit und das Geheimnis des Lebens nicht zerstören kann, sondern eine tiefe Liebe und Verehrung für alles bedeutet, von dem unser Verstand nichts weiss.

 

Verstand und seine Art von Wissen haben im Alltag auch eine Berechtigung zur Bewältigung unseres Lebens. Mit einem tieferen, intuitiven Wissen und der Erfahrung der Tiefe im Moment können wir unser Alltagsleben stabiler gestalten und optimieren, wenn sich zum Beispiel negative Umstände ereignen.

 

“Was fehlt in diesem Moment?“

 
 
  • Fredi Steiner

Unsere geformte Identität, mit seiner Geschichte oder unser Wesen währt immer als eigener, steter Begleiter, egal wo wir sind und wie weit weg wir sind.

 

Normalerweise sehen wir uns immer anderswo, abseits des eigenen Seins.

 

Wenn wir im Sitzen lernen, näher an unser eigenes unbekanntes Wesen zu gelangen und auch dem Charakter, der von uns positive und negative Seiten aufdrängt, werden wir fähig, besser mit all unseren Anlagen umzugehen.

 

Gute Energie können wir nur in jedem Moment in der Gegenwart entwickeln. Unser Leben spielt sich in der Regel dort unbemerkt ab, unsere Gedanken können lediglich die Vergangenheit und die Zukunft erfassen.

 

Unser Glück befindet sich in jedem unmittelbaren Moment, wo Frieden und Liebe existiert.

Durch Gefühle und Empfindungen fallen wir immer wieder zurück in unsere Prägungen, welche uns beherrschen.

Nur in jedem unmittelbaren Moment steht die Wahrheit, sie ist das was wir real sind ohne Verzerrungen, alles andere sind Geschichten.

 

Diese Wahrheit besteht nicht aus Modellen oder Regeln, wir können sie auch nicht ergreifen oder festhalten.

Wenn wir lernen, unser eigenes Bewusstsein zu verstehen, werden wir dafür in die Stille geführt, in einen reinen Zustand ohne Verfälschungen.

 

Als Individuum sind wir stets getrennt von einer göttlichen Einheit, dieses Individuum hat Angst vor der Einheit, weil es die Einheit als Feind oder als Nichts betrachtet.

 

Unser unsteter Geist wirkt immer als Getriebener, wir erachten dies als Normalzustand, er will stets seinen Durst stillen und sucht nach Beschäftigung und Ablenkung.

 

In uns existiert vielfach und unbemerkt eine innere Unruhe, indem wir uns in die Stille begeben lernen wir, mit unserer eigenen Person bewusst und achtsam umzugehen.

 
 
  • Fredi Steiner

Den Weg zu uns selbst finden wir über die Stille, ohne äussere und innere Störfaktoren wie Lärm und unkontrollierte Störfaktoren.

 

Stille ist mehr als nicht reden oder abwesend sein vom Lärm, es geht um reines und absichtsloses Sein und dem Kontakt zu unserem eigenen Grund, den nur wenige Menschen kennen.

Über die Stille finden wir den Weg, wo wir uns selbst stets neu aufbauen und ausrichten können.

 

Die Stille gibt uns Raum zu etwas Grösserem, Gedanken, Neigungen, Vorstellungen und Unruhe versperren uns diesen Zugang.

 

Die eigenen Gedanken zu bändigen ist schwer, die Übung des Sitzens mit achtsamer Atmung hilft uns, genügend Vertrauen aufzubauen, um uns innerlich zu beruhigen. Stille kann verunsichern, der achtsame Atem gibt uns stets Halt dazu.

 

Um in die Stille einzutreten, braucht es zuerst nötige Einsicht, Willens- und Überwindungskraft sowie richtige geistige Haltung und innerliche Überzeugung.

 

Gemäss Anselm Grün braucht es Mut, denn in der Stille begegnen wir unserer eigenen Wahrheit, davon fliehen viele lieber. Die Menschen beschäftigen sich lieber mit irgendetwas, um sich von der Stille abzulenken.

 

 Nur im Aushalten der Stille können wir die Gegenwart, das reine Leben, den inneren Frieden und die Ausgeglichenheit erfahren.

 

In Verbundenheit mit der Stille können wir das Alltagsleben gradlinig und stabil bewältigen über den Zustand der inneren Ruhe.

Wir kommen dabei in Einklang mit uns selbst in jeder Lebenssituation.

 

Anselm Grün:

“Wer nicht seiner Wahrheit begegnen möchte, wird vor der Stille fliehen, um sie nicht aushalten zu müssen. Das Ziel der Stille ist, offen zu sein für das Geheimnis Gottes und des Lebens.“

 

Wir lassen uns in der Stille nicht so schnell aus unserer Balance bringen, was uns Zufriedenheit und ein gutes Grundgefühl schenkt.

 

Anselm Grün:

“Stille bringt mich in Berührung mit mir selbst. Ich spüre mich, höre die Impulse meiner Seele, höre was das Herz mir sagt.“

 

Schon die Natur hilft uns, uns der Stille zu nähern, da die Pflanzen und der Raum stets im Zustand der Stille verbleiben und diese Energie ausstrahlen.

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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