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Ein Mann kam zum Arzt und klagte, er habe überall Schmerzen.

Er sagte:

«Immer, wenn ich mich mit dem Finger hier an der Brust berühre tut es weh, wenn ich mich am Bauch berühre tut es höllisch weh und wenn ich mich an der Nase berühre – Autsch, das tut auch weh!» Auch bei anderen Körperstellen spüre er beim Berühren Schmerzen.

 

Der Arzt untersuchte dann den Mann, schliesslich erklärte er:

«Mein Herr, ich finde nichts krankes an diesen Stellen. Das Problem ist, sie haben einen gebrochenen Finger.»

 

Dieser gebrochene Finger ist stellvertretend für ein gebrechliches und unstabiles ICH.

 

Wenn das Ich getrennt ist von einem grösseren Ganzen, vom Göttlichen, wirkt es labil und hat keinen festen Grund, von wo es sich stets aufbauen kann.

 

Unser Ego hingegen wird latent durch äussere Einflüsse und Konditionierungen beeinflusst und führt uns von unserem Wesenskern weg. Das höhere Ich ist unser authentisches Selbst, das in einer natürlichen Form existiert, ohne Muster oder Einschränkungen.

 

Die Erfahrung des spirituellen Ichs hilft uns, schwierigere Zeiten zu überstehen und ein erfülltes Leben zu führen. Es hilft uns, zu einem tieferen Sinn zu finden im Leben, der über den materiellen Bereich hinausgeht und uns zu Verbindung zu etwas Grösserem hilft.

 

 Die Identifikation mit diesem gebrochenen ich, das stets seine Erfahrungen mit dem Werten macht führt zu Unsicherheit und Unzufriedenheit

 

Wenn wir von dieser Unwissenheit als Gebrechen zur wahren Natur erwachen, gibt es keine Leiden mehr.

 
 

Im “Nicht-Tun“ entsteht in uns ein Gefühl von Wertlosigkeit, weil wir unser Selbst nicht kennen, obwohl unser innerer Wert das Höchste und Wertvollste ist, das eigene Sein.

 

Durch Loslassen und sich in die Stille einlassen, gibt es in unserem Geist entsprechenden Raum oder Vakuum, um die Natur der Einheit und reine Gegenwart in uns wirken zu lassen. In der Stille entsteht nicht Orientierungslosigkeit, sondern es gibt uns ein Gefühl des Aufgehoben-Sein in einer höheren Welt, das uns Kraft und Halt gibt in möglichen weltlichen oder sogar schlimmen Situationen.

 

Die meisten Menschen haben Angst vor dem Nichts und wenden sich lieber stets an Phänomene, welche nicht der realen Wirklichkeit entsprechen, das wirkliche Leben wird stets übergangen.

 

Das eigene Selbst bleibt unbekannt. Nach dem Erwachen merken wir, dass wir nicht von der uns umgebenen Welt verschieden sind, wir nehmen sie anders wahr.

 

Wir können nicht mit Gedanken unsere eigenen Gedanken “schauen“ oder wahrnehmen. Das ist nur jenseits der Gedanken möglich, in der Stille.

 

In der Stille finden wir zu unserem Gleichgewicht und finden näher zu uns selbst, eben ohne äusserliche Ablenkungen wir erleben dabei den gegenwärtigen Moment und die unverzerrte Wirklichkeit.

 

 In der Stille nehmen unsere Sinnesorgane wohl unsere Umgebung wahr, jedoch lassen wir uns nicht in dessen Wirkungen ein, welche mentale Zustände beeinflussen oder Assoziationen entstehen lassen, die latent unser Weltbild verändern und verzerren.

 

Mit dem Fokus auf den Atem und auf die innere Ruhe können wir alles geklärt sehen, spüren, schmecken wie es eben gerade ist im Moment. So entsteht Stille in uns, die uns hilft, uns zu festigen und schenkt uns Präsenz in tiefster Form.

 

Laotse: “Nur wer rein und still ist, kann eine Richtschnur für die Welt sein.“

 

Friedrich Willhelm Nietzsche: “Die grössten Ereignisse – das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.“

 

Abschluss, Nietzsche: “Alles bei ihnen redet, nichts gerät mehr und kommt zu Ende. Alles gackert, aber wer will noch still auf dem Neste sitzen und Eier brüten.“

 
 

Solange das Ego unser Leben bestimmt, finden wir keine Ruhe, ausser in diesen kurzfristigen Augenblicken, in denen unser Verlangen erfüllt wurde.

 

Durch immer wieder neue Identifikationszustände hängt unser Selbstgefühl von äusseren Dingen ab. Es muss immer gefüttert und verteidigt werden, durch neuen Besitz, erfüllten Begierden, Status und vermeintlichen Anerkennungen. So ist unser Geist immer schön beschäftigt.

 

Letztlich sind wir nichts davon, aufgrund einer tieferen Einsicht, die vielleicht Mühe machen kann.

 

Lediglich der Tod nimmt alles weg, was wir nicht wirklich sind, wir sollten fähig werden, das Ego mit seinen spekulativen, äusserlichen Begebenheiten zu erkennen und bewusst mit ihm umzugehen.

 

Gemäss Eckhard Tolle ist das Geheimnis des Lebens,

«äusserlich zu sterben, bevor du stirbst.»

Oder sich mit dem Loslassen von bestimmten Dingen und Gewohnheiten beschäftigen, um innere Ruhe zu gewinnen, in Einklang mit sich selbst zu kommen.

Diese tiefe Einsicht kann befreiend wirken von Dingen wie Besitz, Status, Karriere, Zwängen usw.

 

Niemand ist nur das, was man erreicht gegen aussen, die innere Präsenz bleibt bei den meisten Menschen unerkannt.

 

Mooji (Advaita Lehrer, 1954) sagt, «dass so gut wie alle von uns in der Illusion unserer Persönlichkeiten gefangen sind, weil wir glauben, dass wir das sind, was wir denken und fühlen, dass wir uns durch unsere Gedanken, Gefühle, Emotionen und Ängsten immer wieder neu identifizieren.»

 

Etwas in uns kann uns selbst beobachten, sieht unsere Zustände. Das ES, unser wahrhaftiges Selbst oder Über- Ich ist stiller Zeuge und Beobachter aller Gedanken, Sorgen, Nöte und Begierden, unberührt und nicht wertend, letztlich unvergänglich.

Sogar dieser Beobachter kann bewusst wahrgenommen werden, durch ein tiefes und stilles Bewusstsein.

 

Schon, indem wir uns auf den Weg machen, zu unserem Innersten, zum Selbst, das mit dem Ganzen verbunden ist, finden wir zu mehr innerer Stabilität, zu Demut und Weisheit.

 

Darf man also nicht mehr mit äusserlichen Gegebenheiten leben und daran Freude haben? Mit einem richtigen Bewusstseinszustand bei allen Gedanken, Vorstellungen und Lebenssituationen können wir alles ruhig und sogar auch mit Freude angehen lassen, so sind wir auf einem guten Weg.

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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