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David Boom «Die implizierte Ordnung»

US Quantenphysiker und Philosoph 1917 – 1992, Schüler von Einstein, beeinflusst von Krishnamurti und Martin Buber.


Das Wort «ganz» entspricht gemäss D. Bohm dem hebräischen Wort «shalem» (ganz oder alle). Das englische Wort «holy» sowie das deutsche Wort «heilig» gründen aus der gleichen Wurzel wie «whole» (ganz). Es bedeutet, dass der Mensch eigentlich erahnen kann, dass Ganzheit und Integrität eine absolute Notwendigkeit ist für ein lebenswertes Leben, ganz als Wesen mit der Welt verbunden.

Doch heute leben wir in einem äusseren und inneren Zustand der Fragmentierung, Zerstückelung und sind in Gedankenkonstrukte verstrickt. Gemäss unserer Gewohnheit entspricht der Inhalt unserer Gedanken und Bewusstsein einer eher phänomenalen Welt wie wir sie wahrnehmen und nicht der Wirklichkeit.


F. Steiner: Wie finden wir zur Ganzheit mit all der Zerstreuungsmöglichkeiten. Dafür lassen wir Demut zu, lassen für einen Moment als Übung die objektive und materielle Welt zurück und lassen uns nur in den Moment, ins reine Sein ein, quasi ein Reset machen. Wir sind nur mal da, ohne Ansprüche und Vorstellungen. Eine gute Körper- und Geisthaltung unterstützt uns dabei. Eine gut aufgerichtete Körperhaltung mit bewusster, ruhiger Atmung hilft uns, unser Geist zu beruhigen um uns nach innen zu richten, auf eine höhere Ebene, die uns das Leben lebenswerter und besonnener macht, eben heilig. Wir erleben dabei ein persönliches inneres Wachstum gemäss Math. 5,14: «Ihr seid das Licht der Welt», ein zeitloses Licht.


Zwischentext:

Transzendieren bedeutet über seine Person hinaus zu gehen.

Ein heiliger Mann meditiert in einer Höhle, bis er sein ersehntes Ziel zu erreichen meinte (Erleuchtung). Nun stieg er vom Berg hinab in Glückseligkeit, um die gute Nachricht den Dorfbewohnern zu überbringen. Auf dem Tempelplatz erhielt er durch jemand ein Stoss in die Rippen. Wütend ruft er: «Aus dem Weg!». Hoppla. Danach dreht er sich um und kehrt in seine Höhle zurück. Diese Höhle befindet sich in jedem Menschen selbst.


Schluss:

Der wahre Lebenssinn lässt sich stets dadurch finden, indem wir uns selbst auf die Suche oder auf den Weg begeben.

 
 

David Bohm (Quantenphysiker und Philosoph 1917 – 1992, arbeitete mit Martin Buber zusammen und Bewunderer von Krishnamurti.


Ergänzung mit eigenen Eingaben


Die Menschen nehmen die Welt nur facettenhaft wahr, nach aussen gerichtet. Damit wird das Wesen der Wirklichkeit im Allgemeinen und des Bewusstseins als Ganzheitlichkeit nie wahrgenommen. Ein endloser Entfaltungsprozess manifestiert sich als Mysterium. Denkabläufe können nur statisch und in Fragmenten erfolgen, welche nie die Welt spiegeln. Mit der direkten Erfahrung erlebt man ein ungeteiltes Fliessen.

Denken hindert uns, die Wirklichkeit zu erfassen, da sich das Denken selbst in einem latenten, flüchtigen Bewegungsprozess befindet. Denken bezieht sich nur auf die äussere Welt als kleiner Teil einer Ganzheitlichkeit. Damit erfassen wir nur vereinfachte Momente der Realität. Das Denken fördert das Ego, sich ein Moment vom Denken (Ego) zu lösen kann Ängste auslösen, Existenzverlust kann entstehen da unser vermeintlicher Halt nur in äusserlichen, vergänglichen Dingen existiert.

Wie können wir die fliessende Wirklichkeit des eigenen Daseins als Gesamtheit erfassen? Indem wir uns oder unser Ego übersteigen und die Welt nicht getrennt und in Einzelteile zerstückelt betrachten können. Wenn das eigene, phänomenale Ego aufgegeben wird, brauchen wir es nicht mehr zu verteidigen. Um unser Wesen darauf einzustellen braucht es Übung durch Meditation und Kontemplation. Den eigenen Geist ruhig zu stellen und so in Harmonie zu leben mit sich und der kosmischen Ordnung ist eine schwierige Aufgabe, die eine grosse Überwindungskraft verlangt. Unser innerster Teil kommt in Einklang mit einer höheren Ordnung, die stets präsent aber im normalen Leben unerreichbar ist. Wir erfahren dabei unser Leben in einer intensiveren Tiefe und grosser Verbundenheit als Einheit. In der Stille lernen wir die äussere und innere Welt zu verbinden mit Unterstützung von reiner Liebe. Das Leben wird so betonter, klarer und geregelter. Unser eigener, innerer Halt entsteht.

 
 

Im Text von Tagore wird vom Markt gesprochen, gemeint ist wohl der Alltag, wo wir uns behaupten müssen mit allen Freuden und Unzulänglichkeiten, welche wir stets in einem Korp mittrage und im Geist nicht ablegen können.


Rabindranath Tagore, 1861 – 1941, bengalischer Dichter und Philosoph.

«Wohin eilst du mit deinem Korb so spät am Abend, wo der Markt vorüber ist?

Sie alle sind mit ihren Lasten heimgekommen; der Mond lugt durch die Dorfbäume.


Das Echo der Stimmen, die nach der Fähre rufen, läuft über das dunkle Wasser zum fernen Sumpf, wo wilde Enten schlafen. Wohin eilst du mit deinem Korb, da der Markt vorüber ist?


Der Schlaf hat seine Finger auf die Augen der Erde gelegt. Die Krähennester sind still geworden und das Murmeln der Bambusblätter ist verstummt.

Wohin eilst du mit deinem Korb, da der Markt vorüber ist?»


Der Korb, unsere Lasten oder unser Rucksack, alle unsere weltlichen Belastungen und Zustände oder dieser oben erwähnte Markt, können wir nicht mehr ablegen und können innerlich nicht mehr zur Ruhe kommen. Wir verpassen, uns oder unser eigenes Selbst auch noch nach dem Markt oder dem Alltagsleben und kommen nie zur Ruhe und Ausgeglichenheit. Wir finden nicht zu uns selber.


Das innere Licht

Diese Quelle des Lichts, das wahre Selbst müssen wir jedoch selbst entdecken und wissen, dass dieses wahre Selbst auch zugänglich ist.

Die Worte Jesus: «Ihr seid das Licht der Welt» (Mat. 5,14) wären hilfreich, doch fällt es uns offenbar leichter zu glauben, dass sich dieses Licht nur ausserhalb von uns befindet und wir innerlich im Dunkeln verbleiben.


Wir brauchen eine gewisse Sehnsucht und Überwindungskraft, um in Resonanz zu unserem eigenen inneren Licht zu kommen. Wenden wir uns immer mal nach innen wie heute Abend, auch kleine Schritte bringen uns stets weiter.

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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