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In der Stille begeben wir uns in einen Bereich einer unbegrenzten Offenheit oder in eine sogenannte “Wolke des Nichtwissens“, wo jenseits alles Geschaffenen und aller Erscheinungen mit ihrem Tun und ihren Wesensmerkmalen liegt.


In unserem täglichen Leben ist es zum Überleben notwendig, sich mit Geschöpfen und Sachen abzugeben und zu reagieren, was uns jedoch stets davon abhält, auf uns selbst, auf den Moment und die Wirklichkeit einzulassen, welches uns einen eigenen, stabilen Grund anbietet.


Alle erscheinenden Geistphänomene und sinnliche Erscheinungen hindern uns, sich in den stillen und klärenden Raum einzulassen. Alles, an das wir denken steht zwischen uns und unserem inneren Selbst. Je grösser die Ablenkung ist, umso abwesender sind wir von unserem eigenen, tiefen Wesen.


Nach C.G. Jung ist das Selbst Teil eines grösseren Ganzen, unser Bewusstsein kann das Selbst nie begreifen. Wegen der nie vollständigen Erkennbarkeit ist das Selbst gemäss C.G Jung ein Grenzbegriff für die unbekannte Ganzheit des Menschen.


Im Sitzen mit dem Zulassen der Stille kommen wir unserem inneren Wesen und dem Wesen der Welt näher und können unserer Sehnsucht nach einem gewissen Mehr entsprechen.


In einem alten, aramäischen Text wird beschrieben, dass wir im Grossteil unseres Lebens mit Herz und Kopf “nicht hier, sondern anderswo“ befinden, also genaugenommen tot oder ziemlich verschlafen wirken. Daher wurde in dem Text der Frühchristen zum “Aufwachen“ ermahnt, zum Leben, zum “Auferstehen“.

 
 

Matth. 12.36: “Über jedes unnötige Wort, das Menschen reden, werden sie am Ende Rechenschaft ablegen müssen.“


Nützliche Worte sind notwendig und regeln unser Dasein. Unnütze Worte zerstreuen uns und verhindern wohl einen Zugang nach innen zu innerer Stabilität.


Der reine Moment entspricht dem wahrhaftigen Leben, jetzt, ohne Einfluss von Vergangenheit und Zukunft. Lücken zwischen Wörtern und Bewusstheitszuständen sind rein und göttlich.

In dieser Leere der Lücken erhalten wir die Möglichkeit, eine neue und höhere Dimension zu erreichen, etwas das durch Denkanstrengungen nicht möglich ist.


Wir sollten sorgsam und bewusst mit der Zeit umgehen, fähig werden, den Moment wahrzunehmen. In einem einzigen Moment lässt sich die höchste Einheit erlangen.


Wir besitzen zwei grundsätzliche Kräfte, durch Erkenntnis sichern wir uns unsere Existenz und mit Liebe lernen wir ganzheitlich zu leben und kommen mit einem höheren Licht in Kontakt.


Die Liebe ist eine Kraft, die vereint, nur eine einzige Hinwendung genügt, wo wir über die Zeit dieses Impulses über alles Geschaffene gelangen.

Durch die unerlöste Natur des Menschen werden wir immer zurückgebunden in die oberflächliche Welt der Gedanken und der Begierde durch unsere Sinne.


Antoine de Saint-Exupéry: “Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“


Abschluss:

Wir Menschen sind fähig, unsere Verhaltensweisen zu ändern. Doch das ist ein schwieriger Prozess, der kaum im Druck des Alltagsstresses ablaufen kann.

Sozialpsychologe Dr. Robert Tobias von der Universität Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte beinhalten unter anderem Verhaltensänderung und Gewohnheitsentwicklung.bild: uzh


Nutzen wir die Zeit der Festtage um ein bisschen “abezfahre“ aber mit sich selbst, nicht nur auf der Piste im Schnee!

 
 
  • Fredi Steiner

“Shikan“ bedeutet nur, “ta“ heisst etwas tun (Natur walten lassen) und “za“ ist reines sitzen. Shikantaza bedeutet, nichts anderes tun als sitzen als reinste Form des Seins. Das eigene Sein erfahren kann niemand für uns verwirklichen.

Alles, so wie es gerade ist, ohne Verfälschung oder eigene gedankliche Interpretation ist die Wirklichkeit oder die Wahrheit. Durch den idealistischen Ansatz wird die Welt durch abstraktes Denken mit Logik und Vernunft interpretiert. Der materialistische Ansatz versucht die Welt durch wissenschaftliche Experimente zu erklären, durch eine materialistische Denkweise.

Manche Menschen verwechseln die wahre Welt mit ihren eigenen, verzerrten Ansichten und glauben, dass ihre eigene individuelle Einstellung der wahren Welt entspricht.


Praktisch alle Menschen leben besonders heute in einer Welt der Gedanken und ihren Konstrukten und lassen sich durch ihre Sinneseindrücke eine eigene Individuelle Welt entstehen. Buddha wollte die Menschen dazu bringen, jeden Augenblick in der Wirklichkeit zu leben, den wirklichen Grund aller Augenblicke mit ihren Situationen zu erfassen und sich damit innerlich zu festigen.


Wenn wir im Zazen mit aufrechter Wirbelsäule mit freier Atmung sitzen, hilft das uns, das vegetative Nervensystem auszugleichen. In dem natürlichen Gleichgewicht in unserer Mitte verlieren Gedanken und Wahrnehmung an Kraft und finden so zu unserer reinen Mitte, zum Erwachen zur Wirklichkeit ohne Verzerrungen.


Mit dem Ausspruch von Dogen „Fallenlassen von Körper und Geist“ bedeutet dies, dass wir das dualistische Bewusstsein überschreiten und unser Leben ganzheitlich und unmittelbar erfahren. Dieses Handeln, in einem Zustand des reinen Seins, ist konkrete Erfahrung. Dieses Erfahren im Tun bedeutet, dass wir beim Zazen das wirkliche Leben erfahren.


„Wenn wir die zehntausend Dinge als von uns getrennt sehen, gibt es keine Täuschung und kein Erwachen, keine Buddhas und keine Lebewesen, kein Leben und keinen Tod.“

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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