- Fredi Steiner
In der Stille begeben wir uns in einen Bereich einer unbegrenzten Offenheit oder in eine sogenannte “Wolke des Nichtwissens“, wo jenseits alles Geschaffenen und aller Erscheinungen mit ihrem Tun und ihren Wesensmerkmalen liegt.
In unserem täglichen Leben ist es zum Überleben notwendig, sich mit Geschöpfen und Sachen abzugeben und zu reagieren, was uns jedoch stets davon abhält, auf uns selbst, auf den Moment und die Wirklichkeit einzulassen, welches uns einen eigenen, stabilen Grund anbietet.
Alle erscheinenden Geistphänomene und sinnliche Erscheinungen hindern uns, sich in den stillen und klärenden Raum einzulassen. Alles, an das wir denken steht zwischen uns und unserem inneren Selbst. Je grösser die Ablenkung ist, umso abwesender sind wir von unserem eigenen, tiefen Wesen.
Nach C.G. Jung ist das Selbst Teil eines grösseren Ganzen, unser Bewusstsein kann das Selbst nie begreifen. Wegen der nie vollständigen Erkennbarkeit ist das Selbst gemäss C.G Jung ein Grenzbegriff für die unbekannte Ganzheit des Menschen.
Im Sitzen mit dem Zulassen der Stille kommen wir unserem inneren Wesen und dem Wesen der Welt näher und können unserer Sehnsucht nach einem gewissen Mehr entsprechen.
In einem alten, aramäischen Text wird beschrieben, dass wir im Grossteil unseres Lebens mit Herz und Kopf “nicht hier, sondern anderswo“ befinden, also genaugenommen tot oder ziemlich verschlafen wirken. Daher wurde in dem Text der Frühchristen zum “Aufwachen“ ermahnt, zum Leben, zum “Auferstehen“.