Wüstenväter und -mütter sind frühzeitliche Christliche im späten 3. Jahrh., welche als Eremiten, zurückgezogen in den Wüsten Ägyptens lebten.
Ganz im Anfang des Christentums war der Märtyrertod das wichtigste Bekenntnis. Als die Kirche in der Gesellschaft akzeptiert wurde, entwickelte sich eine neue Form des Martyriums durch das asketische Leben in der Wüste als Emeriten.
Auch damals ging es für die Frauen (Ammas) und Männer (Abbas) darum, sich von den schon damaligen Zwängen der Menschheit oder dem falschen Selbst zu retten. Schon damals ging es darum, sich von einem Leben von Bestätigungen und sozialen Druck zu distanzieren. Damals wie heute waren und sind die Menschen in ein komplexes System eingebunden, das auch geistig unfrei macht und die Menschen bedrückt.
Um sich davon zu lösen, braucht es ein radikaler Schnitt als Gang in die Wüste damals oder heute in einen bewussten geistig aufbauenden Zustand oder zeitlichen Zwischenzustand als Bardo-Zustand zu bringen. In der Wüste damals und im Sitzen heute gilt es manchmal auch gegen aufkommende Dämonen anzugehen und den Dualismus hinter sich zu lassen.
Bei den Wüstenmenschen und den Zen-Praktizierenden heute gilt das Streben nach der Reinheit des Herzens resp. dem Einssein mit allem.
Nach Ansicht der weisen Menschen in der Wüste haben die meisten Menschen Angst davor, “weil wir, wenn wir mit Gott ins Gespräch treten, zugleich auch unausweichlich unseren Dämonen begegnen. Solange wir beschäftigt und abgelenkt sind mit weltlichen Dingen müssen wir uns wirklich die Frage stellen, wer wir eigentlich sind.“
Wenn wir einfach in der Verschwommenheit unseres weltlichen Alltags verharren, treffen wir weder auf unser Selbst noch auf den inneren Dämon und unser Leben bleibt sinnlos ohne tiefe Einsicht.
In der Auseinandersetzung mit Dämonen, den täglichen grösseren und kleineren Unzlänglichkeiten, entdecken die Wüstenweisen sowie die Praktizierenden heute eine Kraft oder Energie, welche uns unterstützt, innerlich stärker und stabiler macht und zu Erkenntniserweiterung führt.