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29.8.24

Die Upanishaden sind philosophische Texte aus dem 7. – 2. Jh. v. Chr. aus der Veda. Die Verfasser sind unbekannt und lebten in der Regel in Wäldern.

 

“Der Seher deines Sehens, den du nicht siehst; der Hörer deines Ohrs, den du nicht hörst; der Denker deiner Gedanken, den du nicht denkst; der Wissende deines Wissens, den du nicht kennst – das ist dein wahres Selbst, alles durchdringend, alles andere ist nur sterblich.“

 

“Wer so von den Fesseln der Sinne (und Triebe) befreit ist, transzendiert alle materiellen Beziehungen, wird zum höchsten Licht und findet sein eigenes Selbst wieder. Es ist jenseits der Sterblichkeit, jenseits der Angst, es ist die Wahrheit – Wahrheit ist nur ein anderer Name für das Absolute.“

 

Indem wir uns auf die innere Stille einlassen können, finden wir zu unserer inneren Natur oder unserem Selbst. Das Selbst ist unmessbar, es kann nicht in Zahlen oder Wörtern erklärt werden.

Diese innere Ruhe verbindet uns mit einem stabilen Hintergrund und führt uns zu einer stabilen Zufriedenheit, die wir mit unseren persönlichen Anstrengungen nicht erreichen können.

 

Es braucht Mut und eine grosse Überwindungskraft, um sich auf etwas Unbekanntes jenseits unserer weltlichen Dimensionen einzulassen.

Mit jeder Übung können wir uns Schritt für Schritt mit Liebe und Vertrauen dazu annähern. Immerhin bleibt die Wahl bei uns, wie wir unser Leben formen wollen.

 

In der Quantenphysik und im Cern (Genf) versucht man letztlich den Ursprung und Anfang von Allem in den immer wieder kleiner gespaltenen Elementarteilchen zu finden, in der Unermesslichkeit und der Unendlichkeit. Mit Begriffen und Zahlen bleiben wir irgendwann beschränkt, nur die Stille öffnet uns den Weg zu einer höheren Dimension.

 

Wenden wir uns mit Vertrauen nach innen und finden dabei heilsame Ruhe.

 
 

Aus dem Buch “Die Sprache der Seele verstehen“, Daniel Hell, Professor für Klinische Psychiatrie.

 

Es geht um Mönche und Nonnen, die sich im späten 3. Jh. in die Wüste in Syrien und Ägypten zurückziehen, um durch Askese, Gebet und Arbeit zu sich selbst zu finden.

 

“Sie setzen sich der Wildnis und dem Alleinsein aus. Das erfordert Mut, man tritt ungeschützt sich selbst gegenüber. Ein solcher Schritt setzt bei aller Not und Verzweiflung ein tiefes Grundvertrauen voraus mit der Überzeugung, dass die eigene Person auf einer tragenden Basis ruht. Dieser Mut ist Bedingung für das Erfahren einer eigenen Wirklichkeit.“

 

Man kann in der Wüste wie hier beim Sitzen in der Stille Kontakt zu sich selbst, zu seinem inneren Wesen pflegen.

Man lernt, dass das “sich Selbstverstehen“ von einer inneren Sicht ausgeht und nicht durch äusserliche Beobachtungen und Wertvorstellungen.

Es geht den Wüstenmönchen darum, jeglicher Selbstentfremdung entgegenzuwirken und sich möglichst ganz zu erfahren, was zu Heilung führt.

 

Lutz Jänke, Professor für Neuropsychologie an der Uni Zürich: “In der Stille beschäftigt sich das Gehirn mit sich selbst, das erfordert Konzentration. In der Stille bekommen wir unsere Emotionen in den Griff. Absolute Stille hasst unser Gehirn wie der Teufel das Weihwasser“

Unser Gehirn ist bestrebt, uns stetig abzulenken, was von uns wegführt.

 

“Wir müssen Zeiten schaffen, in denen wir mehr in die Tiefe gehen und uns mit weniger unnötigen Reizen auseinandersetzen.“

 

Nur in der Stille finden wir zu unserer eigenen, inneren Natur und gelangen zur Einheit des Seins.

 

Spannend, dass moderne und aktuelle Neurowissenschaftler die Stille als wertvoll und erweiternd betrachten, wie die Menschen im 3. Jh., die in der Wüste in die Einsamkeit gehen.

 

Im Zen-Sitzen betreten wir bewusst ja auch stets eine Art Wüste um unseren Geist zu festigen und zu erweitern und dabei unsere innere Natur wirken lassen.

 
 
  • Fredi Steiner

«Eine leuchtende Lampe braucht keine andere Lampe, um ihr Licht zu belichten. Genau so braucht der Atman, der als absolutes und unzerstörbares Selbst und ewige Essenz des Geistes, der Erkenntnis des Selbst ist, keine andere Erkenntnis, um sich zu erkennen.»

 

«Das Auge hat kein Zugang dazu, ebenso wenig wie die Sprache oder der Verstand; wir kennen es (das Absolute) nicht und kennen somit auch nicht die Methode, wie wir es vermitteln können. Es ist etwas anderes als das Bekannte und das Unbekannte.»

 

«Das ist die wahre Glückseligkeit, die keine Bedingungen hat; im Bedingten (Vergänglichkeit) kann es keine Glückseligkeit geben, das Unbedingte allein ist Glückseligkeit. Versuche das Unbedingte in dir zu verwirklichen.»

 

Gemäss Kant existiert überall in der Welt Fremdbestimmung durch unsere Triebe, Leidenschaften, Gefühle, Sympathien und Antipathien sowie soziale Zwänge, welche unser Handeln bestimmen und ein Wille in uns auslösen. Wir leben nicht in Freiheit, unser Leben findet stets ausserhalb einer inneren Ruhe statt.

 

FS Könnte man uns ohne Bedingungen noch als Menschen bezeichnen oder machen uns die latenten Bedingungen erst zu weltlichen Menschen ausserhalb unserem Selbst. Wir kennen uns unbewusst nur als eine Art abwesenden Mensch dieser Welt und verbleiben in einem Gefühl der Unruhe.

 Mit der Übung des Sitzens in der Stille versuchen wir der Wirklichkeit oder dem Unbedingten etwas näher zu kommen. Dieses Wissen kann nicht konstruiert werden, es entsteht nur durch ein sich Einlassen in eine höhere Natur, die stets präsent ist und sich uns öffnet.

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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