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Gedanken halten uns vielfach und unbemerkt im Griff, so sind wir ihnen meistens ausgeliefert. Auf unserem inneren Weg sind sie ein Hindernis. Im Alltag sind bewusste und gut gelenkte Gedanken nützlich für das eigene Leben und das Wesen der Welt.


Achtsame Gedanken können sogar als Grundvoraussetzung dienen, um unseren Weg nach innen zu entwickeln und uns darauf einzulassen, um die Welt zu durchdringen.


Als Unterstützung können wir ein Begleitwort wählen, um in einen geistlichen Vollzug eintreten zu können wie z. B. das Herzensgebet oder dem Wort “Erbarmen“. In der östlichen Tradition entspricht das einem Mantra als heilige Silbe, welche zu einem Klangkörper wird als spirituelle Kraft. Mantras oder ein Begleitwort sollen dabei helfen, den eigenen Geist zu fokussieren und um negative Gedankenmuster aufzulösen.


Mantras werden seit Jahrtausenden benutzt, um einen klaren und positiven Geisteszustand zu erlangen ohne trennende Gedanken, wie zum Beispiel in der christlichen Tradition das Herzensgebet.


Letztlich sollten wir durch die Hilfe einer Fokussierung auf ein Wort oder einer Silbe zu innerer Stille, Ruhe und Ausgeglichenheit kommen, um auf den Weg zu seinem eigenen letzten Geheimnis zu gelangen, jenseits von weltlichen Aktivitäten und unseren Gedanken.


Um Stress zu bewältigen, benötigen wir viel Energie, die dann fehlt, um sich zu regenerieren. Mit innerer Ruhe und Ausgeglichenheit können wir lernen, mit unzulänglichen Situationen im Leben umzugehen ohne Stress aufkommen zu lassen.


Der Schlüssel zur inneren Ruhe liegt in uns selbst, indem wir lernen, unsere Emotionen zu regeln, dazu müssen wir unser Körper und Geist in Einklang bringen und in den Alltag einbauen.



Abschluss:

Der Weise vermag es, durch seine Reinheit und Ruhe

alle Dinge der Welt ins Gleichmaß zu bringen.

Laotse, 6. Jh. v. Chr.

 
 

Wirkliches Handeln ist eine andere Dimension als das begriffliche Denken und Wahrnehmen. Wirkliches Handeln wird augenblicklich vollzogen. Im wirklichen Handeln sind Körper und Geist, Subjekt und Objekt mit dem Augenblick eine Einheit. Wirkliches Handeln geschieht immer im gegenwärtigen Augenblick, dieser nie wiederkehrende Augenblick ist zeitlos und hat das Wesen der Ewigkeit.


Leider haben die Menschen nicht die Bereitschaft und damit nicht die Möglichkeit, um unmittelbar zu handeln. Darum entwickelte Buddha die Praxis des Zazen, um sich mit der kosmischen Dimension in Einklang zu bringen. Zazen ist die reinste Form einer Handlung. Im Gleichgewicht aller physischen, psychischen und geistigen Funktionen werden wir fähig, im Leben in jedem Augenblick direkt das zu tun, was zu tun ist und das zu vermeiden, was wir nicht tun sollen.


Im Zustand der Einheit des Seins, jenseits aller dualistischen Trennung erwacht die intuitive Weisheit, die im Sanskrit “Prajñã“ heisst, als im Sinne von Weisheit, die alle Dinge des Universums durchdringt, das alle Menschen von Natur aus besitzen würden.


Es geht darum, das Leben in seiner ganzen Fülle, ob leidvoll oder glücklich zu erkennen, wie es eben ist. Es geht darum, seine eigene Lebensaufgabe, welche teilweise

weit über seine eigenen physischen und geistigen Fähigkeiten geht, bewusst zu bewältigen.


Es gilt, eine Brücke zu überschreiten, um zur wahren Natur der Wirklichkeit vorzudringen. Der Mensch sucht seine eigene, individuelle Wirklichkeit nur gefiltert und verzerrt durch die Raster seines eigenen Bewusstseins über die Sinnesorgane.


Der Ausspruch von Dõgen: “Fallenlassen von Körper und Geist “ bedeutet, dass wir das dualistische Bewusstsein überschreiten und unser Leben ganzheitlich und unmittelbar erfahren. Dieses Handeln, im reinen Zustand des reinen Seins, ist konkretes Handeln. Dieses Erfahren im Tun bedeutet, dass wir beim Zazen das wirkliche Leben erfahren.


Abschluss:

Man soll sich nicht entmutigen lassen, wenn man Texte nicht gleich versteht. Auch Meister haben angeblich zum Teil mehrere Jahre gebraucht, um diese Texte zu erfassen.



Wenn wir im Zazen mit aufrechter Wirbelsäule mit freier Atmung sitzen, hilft das uns, das vegetative Nervensystem auszugleichen. In dem natürlichen Gleichgewicht in unserer Mitte verlieren Gedanken und Wahrnehmung an Kraft und wir finden so zu unserer reinen Mitte, zum Erwachen, zur Wirklichkeit ohne Verzerrungen.

 
 

Gemäss Prof. John Barrow (Professor für angewandte Mathematik und theoretische Physik an der Universität Cambridge, 1952-2020) enthalten die Naturkonstanten wie Lichtgeschwindigkeit, Gravitation usw. die tiefsten Geheimnisse des Universums als Bauplan des Kosmos. Die Wissenschaft kann diese Werte nicht erklären und sie drücken die grösste Unkenntnis der Menschheit über unser eigenes Sein und den Kosmos aus. Prof. Barrow ging später sogar so weit, um ein Ansatz zur Verbindung von Wissenschaft und Religion zu vereinen.


Vielleicht müssen wir ja auch in eine Art Unkenntnis oder eine Art Unwissen gelangen resp. über unser weltliches Dasein, um dafür unserem eigenen Grund näher zu kommen. Es lohnt sich, zumindest sich Gedanken darüber zu machen, um sich im Leben weiterzubringen.


Mit dem Sitzen in der Stille lassen wir letztlich Körper und Geist hinter uns (gemäss Dôgen: “Körper und Geist fallen lassen“). In der sogenannten Wolke des Nichtwissens wird alles Erkennen hinter uns gelassen, es besteht nur ein sanfter Impuls der Liebe. Die höchste Dimension lässt sich nicht mit dem Intellekt erfassen. In unserer tiefen Stille lassen wir alles ruhen, um in eine unmittelbare Präsenz und zu unserem eigenen Urgrund zu gelangen, in unsere eigene reine Natur.


Indem wir alles Erschaffene hinter uns lassen und in Liebe aufgehen, schaffen wir einen Raum, um sich der höchsten Natur zu nähern.


Wir merken mit der Zeit, dass unser tiefer Grund in unserem Alltag eigentlich stets präsent ist und uns in unserem Leben Halt und Stabilität geben kann.


Wir erfahren stets Ruhe und Vertrauen in unserem täglichen, weltlichen Leben – alles wird eins. Unser Grund und der Alltag nähern sich mit unserer Übung zu einer Einheit und bringt mehr Klarheit in unser Leben.



Abschluss:

“Gott würfelt nicht“ sagte Einstein, indem er nicht an Zufall glaubte auch betreffend die Naturkonstanten.

Es gibt wohl kein Zufall im Bauplan vom Kosmos bis zum kleinsten Atom.

 
 

©2022 ZEN Fredy Steiner

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